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Verhalten im Stress +Test

Bevor ich das Thema ausführe, stelle ich einen Test an den Anfang plus Auflösung.

Wenn Sie sich (relativ) unvoreingenommen einschätzen möchten, machen Sie den Test bitte, bevor Sie den Text lesen.

Bitte vergeben Sie folgende Punkte:

Wenn eine Aussage zutrifft: voll und ganz = 4, meistens = 3, etwas = 2, kaum = 1, gar nicht = 0

 

Test:

 

Teil 1: 

 

1.       Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer zu nehmen, ist mir sehr wichtig.

2.       Ich bin nachsichtig und verzeihe anderen schnell.

3.       Wenn ich bemerke, dass jemand Schwierigkeiten mit einer Aufgabe hat, nehme ich ihm diese ab.

4.       Es ist für mich sehr wichtig, von anderen akzeptiert und gemocht zu werden.

5.       Ich versuche oft, zu erraten und herauszufinden, was andere von mir möchten, um mich danach zu richten.

6.       Damit sich andere wohl und gut fühlen, verzichte ich oft darauf, was ich möchte.

7.       Ich bin eher diplomatisch.

8.       Ich gehe eher weg, wenn etwas schief läuft, als mich dem zu stellen.

 

 

Teil 2: 

 

1.       Es ist meine Art, in allem, was ich tue, möglichst perfekt und präzise zu sein.

2.       Ich finde, dass es für dumme Fehler keine Entschuldigung gibt.

3.       Wenn ich eine Aufgabe übernommen habe, dann arbeite ich gründlich.

4.       Ich habe Schwierigkeiten mit Menschen, die nicht exakt sind.

5.       Ich traue anderen oft nicht zu, Dinge gut genug zu erledigen.

6.       Ich versuche, die an mich gestellten Erwartungen zu übertreffen.

7.       Ich erfülle jeden Auftrag möglichst maximal.

8.       Unordnung macht mich ärgerlich.

 

 

Teil 3: 

 

1.       Ich neige dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren, während andere sich aufregen oder abschalten.

2.       Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, auch wenn ich innerlich sehr aufgewühlt, angespannt etc. bin.

3.       Anderen gegenüber zeige ich meine Schwächen nicht gerne.

4.       Durchhaltevermögen ist eine meiner besonderen Stärken.

5.       Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, seine Schwächen für sich zu behalten.

6.       Es ist mir unangenehm, bei meinen Entscheidungen oder beim Lösen meiner Probleme von anderen abhängig zu sein.

7.       „Auf die Zähne beißen“ oder mich kontrollieren – das ist meine Devise.

8.       Ich kann körperliches Unwohlsein lange ignorieren/verdrängen.

 

Teil 4: 

 

1.       Ich habe die Angewohnheit, mir meine Wünsche und Bedürfnisse so schnell wie möglich zu erfüllen.

2.       Ich habe mehr Hobbys, Interessen, Liebhabereien als der Durchschnitt.

3.       Wenn mich etwas langweilt, trommle ich häufig mit den Fingern oder klicke mit dem Kugelschreiber.

4.       Geduld ist nicht gerade eine meiner Stärken.

5.       Leute die herumtrödeln und langsam sind, regen mich auf.

6.       Ich renne eigentlich auch dann, wenn es nicht nötig wäre.

7.       Ich bin ständig in Bewegung und es fällt mir schwer, einfach nichts zu tun.

8.       Ich gehe, esse oder spreche schnell.

 

 

Teil 5: 

 

1.       Ich fühle, dass nur der Erfolg wirklich zählt, der hart erarbeitet wurde.

2.       Oft erreiche ich durch eine Ungeschicklichkeit kurz vor dem Ziel etwas nicht.

3.       Ich muss noch härter werden, damit ich mit dem fertig werde, was andere mir sagen oder dass sie mich kritisieren.

4.       Ich muss mich halt immer wieder anstrengen, dann schaffe ich es schon.

5.       Ich überlege immer lange und genau, bevor ich mich entscheide.

6.       Ich strenge mich an, um meine Ziele gut zu erreichen.

7.       Ich habe Schwierigkeiten mit Dingen, die für andere kein Problem darstellen.

8.       Ich schiebe Dinge lange vor mir her, bevor ich sie beginne.

 

Jetzt rechnen Sie alle Punkte des jeweiligen Teils zusammen.

Der Teil, der die meiste Punktzahl erhält, ist der Teil, der Ihnen am ehesten entspricht, die anderen werden je nach Punktzahl abgestuft, sodass Sie einen Überblick haben, zum Beispiel:

Teil 5, Teil 1, Teil 3, Teil 2, Teil 4.

 

Sie haben nun Ihr Antreiberverhalten herausgefunden.

In der Transaktionsanalyse (eine humanistische Therapiemethode) heißen diese Antreiber wie folgt:

Teil 1: Mach’s allen recht! Sei gefällig!

Teil 2: Sei perfekt!

Teil 3: Sei stark!

Teil 4: Beeil Dich!

Teil 5: Streng Dich an!

 

Wenn wir im Stress sind, aktivieren wir alte Verhaltensmuster, die in unserer Kindheit wichtig waren und die wir von dort mitgenommen haben in unser Erwachsenenalter.

 

Beispiele:

 

Sei perfekt!

Jemand mit einem „Sei perfekt!“-Antreiber hat wahrscheinlich verinnerlicht, dass er nur okay ist, wenn er perfekt ist. Die große Angst, nicht mehr gemocht, akzeptiert zu werden, soll mit dem eigenen Perfektionsanspruch verdrängt werden, sodass es sein kann, dass jemand, der diesen Abtreiber in sich hat, im Stress noch perfekter als vorher sein will, weil er glaubt, nur dann okay zu sein. Das ist eine kindliche Überzeugung und Reaktion, die früher (überlebens-)wichtig und richtig war, heute aber eine destruktive Handlungsweise darstellt.

Es kann sein, dass sich die Person in Details „verrennt“, sich verzettelt, alles selber machen will (nicht mehr delegiert), weil es dann auch genau genug ist, oder andere in ihrem Denken angreift.

Ich fasse es so zusammen: Es besteht der Glaubenssatz: „Nur solange ich perfekt bin, bin ich okay/akzeptiert/erlaubt/darf ich sein.“

 

Sei stark!

Wahrscheinlich hat jemand mit dem „Sei stark!“-Antreiber gelernt, dass es nicht gut ist oder es Konsequenzen hat, wenn er Gefühle zulässt, vertraut, auf andere angewiesen ist, abhängig ist.

Menschen mit einem starken „Sei stark!“-Antreiber entscheiden alles alleine, suchen sich äußerst selten Hilfe (es sei denn, die Not ist riesig), denken im massiven Stress nicht einmal mehr daran, dass andere zur Hilfe bereit stünden. Meistens sind diese Menschen sehr autark, ziehen sich im Stress zurück, kontaktieren niemanden mehr.

 

Mach es allen recht!

Menschen mit einem starken „Mach es allen recht!“-Antreiber, haben ein hohes Harmonie-Bedürfnis, wollen ungern in Streitigkeiten verwickelt sein, wenden sich vorrangig anderen Menschen zu, anstatt sich selbst.

Wahrscheinlich haben sie gelernt, dass ihre Bedürfnisse weniger wichtig sind als die anderer. Oder sie haben erlebt, dass es überlebenswichtig ist, für jemand anderen (Eltern) zu sorgen, damit alles weiter laufen kann.

Im Stress opfern sie sich auf, stellen ihre Bedürfnisse hinten an. Oft bieten sie auch anderen übermäßig viel an, was oft daran liegt, dass sie selbst emotional ausgehungert sind und Zuwendung brauchen. Das aber zu sagen und zu fühlen, ist eher schwierig für sie.

Menschen mit diesem Antreiber fühlen sich oft verantwortlich für das Wohl anderer.

 

Beeil Dich!

Menschen mit einem ausgeprägten „Beeil Dich!“-Antreiber wirken auf andere risikofreudig, erlebnishungrig und auch überfordernd/fordernd. Wenn es Bedürfnisse gibt, sollen diese schnell befriedigt werden. Diese Menschen sind sehr aktiv, mögen risikobehaftete Erlebnisse, Abwechslung, Spannung und Aktion. Andere können manchmal mit ihrer Energie nicht umgehen. Menschen mit diesem Antreiber können ziemlich ungeduldig und unwirsch auf andere reagieren, die nicht so sind wie sie.

 

Streng Dich an!

Für Menschen mit diesem Antreiber, erscheint sehr vieles sehr anstrengend und sie sind davon überzeugt, dass sie sich einen Erfolg hart erarbeiten müssen. Manchmal ist diesen Menschen der Kampf oder der mühsame Weg wichtiger als das Ziel selber. Oder sie verlieren es aus den Augen, weil sie sich so auf das Anstrengen konzentrieren müssen.

Menschen mit dem „Streng Dich an!“-Antreiber sind meistens mit den Grundsätzen „Nur nicht locker lassen!“, „Müh Dich ab!“ aufgewachsen. Sie haben gelernt, dass sie um alles kämpfen müssen, was anderen mitunter leicht fällt.

 

 

Wir verhalten uns in Stresssituationen so, wie wir es gelernt haben, um überleben zu können, akzeptiert zu werden, Zuwendung zu erhalten.

Wenn wir im Stress sind, dann glauben wir, nur okay zu sein, wenn wir ganz bestimmte Verhaltensweisen (z.B. Antreiberverhalten) an den Tag legen.

 

Ich möchte ein persönliches, destruktives Verhalten aufzeigen:

Ich selbst habe einen starken „Sei perfekt!“-Antreiber. Immer wieder, wenn ich Komplimente für meine Arbeit erhalte, wird in mir dieser Antreiber angetriggert. Die Gedanken können dann so lauten: „Jetzt muss ich aber weiterhin hervorragende Arbeit leisten oder am besten noch besser, damit dieses Kompliment auch gerechtfertigt ist.“ Werde ich kritisiert, kann es sein, dass ich noch perfekter sein will, damit ich alles präzise und korrekt ausführe. Jemand mit einem „Sei perfekt!“-Antreiber versucht, alles Mögliche zu kalkulieren, einzuplanen, zu systematisieren, zu kategorisieren. So kann es sein, dass in Stressphasen Präzision und Perfektion zu einer Art Zwang werden.

 

Antreiberverhalten ist nicht konstruktiv!

Warum?

Ganz einfach: Weil unser Okay-Sein dann bedingt ist, wir also um als Mensch akzeptabel zu sein, etwas leisten müssen, auf bestimmte Weise reagieren müssen oder auch auf alles (und andere) achten müssen. Wir glauben, dass wir ohne dieses Verhalten keine wertvollen, liebenswerten Menschen sind.

 

Folgende Fragestellungen können dabei helfen, dieses destruktive Verhalten zu entlarven:

 

In welchen Situationen aktiviere ich meine(n) Antreiber?

Was würde geschehen, wenn ich dem nicht nachgehen würde?

Woher kenne ich Situationen im Jetzt, die meinen Antreiber triggern/aktivieren?

Welche Situationen aus der Vergangenheit kenne ich, in denen ich nach Antreiber dachte, handelte, fühlte?

Weshalb war es früher wichtig, nach diesem Antreiber zu handeln?

Ist die Gefahr von früher noch heute präsent?

Wäre ich wertvoll und liebenswürdig, wenn ich dem Antreiber nicht nachgehen würde?

 

In der Transaktionsanalyse geht man bei destruktivem Verhalten so vor: Erkennen, es verstehen und danach es verändern.

 

Wenn Sie dabei unterstützt werden wollen, kontaktieren Sie mich.

 

 

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