Beratung für Asperger - warum mir das Angebot so wichtig ist

Da ich selbst Asperger-Autistin bin, kenne ich sowohl die Schwierigkeiten in der Welt der Nicht-Autisten als auch das Unverständnis anderer. Die Belastungen, die durch Small-Talk, Lärm, Ablenkungen entstehen, sind für viele Nicht-Autisten nicht nachvollziehbar. Auch wenn wir beruflich den Eindruck machen, souverän und kompetent damit umgehen zu können, raubt es doch Energie und kann dazu führen, dass eine Zeit der Regeneration folgen muss (z.B. durch die Beschäftigung mit Spezialinteressen oder das Zurückziehen in dunkel gehaltene und ruhige Räumlichkeiten).

 

Es gibt so viele beraterische und therapeutische Angebote für Nicht-Autisten aber so wenig für uns. Vor kurzem habe ich einen Beitrag einer Person gelesen, in dem stand, dass Therapeuten besonders weiblichen Asperger-Autisten ihre Diagnose oder ihren Verdacht absprechen. Sowas gibt's bei mir nicht. Ich selbst bin beruflich immer wieder damit konfrontiert, dass mir gesagt wird, was "echte Autisten" sind, und sowas kommt dann immer von Nicht-Autisten, denen Begriffe wie ICD-10 (oder demnächst ICD-11) oder Namen wie Tony Attwood nichts sagen.

 

Krank?

Nein, sehe ich nicht so. Asperger-Autisten sind nicht krank oder müssen aufwendig behandelt werden, um unbedingt ein Teil der Gesellschaft zu werden. Behandlungsmethoden wie ABA befürworte ich nicht, das ist für mich Gewalt an Menschen. Du bist okay, ich bin okay. Das ist die (transaktionsanalytische) Grundhaltung. Ob Nicht-Autist oder Autist: Du bist okay.

Verstehen, wie der Nicht-Autist tickt, kann sehr hilfreich sein.

Und verstehen, wie man selber tickt, erst recht.

 

Deshalb gibt's bei mir auch keine Begrifflichkeiten wie "Störung". Du bist nicht "gestört", Du bist anders als die Nicht-Autisten - das ist teils sehr, sehr anstrengend, andererseits aber auch sehr angenehm. Ich lese öfter, auch bei bekannten Asperger-Autisten, von "Wahrnehmungsstörung". Auch diesen Begriff verwende ich nicht.

 

Fakt ist nun mal, dass die Mehrheit nicht autistisch ist, also wäre es unrealistisch, zu erwarten, dass sich die Gesellschaft an Autisten anpasst. Dass Asperger-Autisten sich anpassen, das ist wohl unumgänglich (Stichwort: NT-Maske), um überhaupt irgendwie klar zu kommen. Und dass das Tragen dieser Maske auch Konsequenzen hat (Depressionen, Ängste, sich selbst verlieren) ist evident.

 

Wie kann ich also als Asperger-Autist in einer Gesellschaft von Nicht-Autisten zufrieden leben?

Im Beruflichen ist das meines Erachtens ganz klar die Nischenfindung: Worin bin ich gut? Oder: Was ist mein Spezialinteresse? Nun geht es im Beruflichen aber nicht nur um Leistung und Kenntnis, sondern (da die Kollegen meistens Nicht-Autisten sind) um sozialen Austausch, Small-Talk, persönliche Bestätigung. Kommunikation ist lernbar und wenn man weiß, wie der andere tickt, dann ist es einfacher.

 

Auch das Wissen darüber, wann es "zu viel" wird, ist extrem wichtig, um Overload oder Meltdown zu vermeiden. Da Nicht-Autisten weniger wahrnehmen als Autisten, müssen wir selbst herausfinden, was uns überreizt und können die Nicht-Autisten nicht als Maßstab nehmen. Wir brauchen Energie-Tanks oder Dinge, Tätigkeiten, Handlungen, die unseren Energie-Tank wieder aufladen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0